Rhön-Segelflugwettbewerb
Heute, am Freitag den 30. Juli 2010, hat das freie Training zum Rhön-Segelflugwettbewerb (Clubclasse) begonnen. Pünktlich zum Start endet eine Schlechtwetterwoche mit guten Prognosen für die Wettbewerbszeit. Es ist aktuell davon auszugehen das der morgige Samstag direkt auch der erste Wertungstag sein wird.
In der kommenden Woche werden wir hier die aktuellen Informationen wie Wertung und Wetter über die einzelnen Wettbewerbstage veröffentlichen.
Die kompletten Berichte finden Sie immer unter www.rhoen-segelflugwettbewerb.de
Das Team der Flugschule wünscht allen Piloten eine erfolgreiche Woche und viel Spaß und Ihnen viel Spaß beim mitverfolgen!
Samstag, 31.7.2010
Wetterinfos (DWD-Frankfurt)
Schlagzeile: Meist gute Wolkenthermik, am Nachmittag von Nordwesten her Abschirmung.
Wetterlage: Die eingeflossene Meeresluft gelangt am Samstag unter Hochdruckeinfluss und wird stabilisiert. Tiefauslaeufer ueber den Britischen Inseln sorgen am Nachmittag fuer Abschirmung.
Wolken und Niederschlag: Nach teils klarer Nacht und flachen Dunstfeldern zum Sonnenaufgang, sonnig und trocken. Im Laufe des Vormittages Ausbildung von 1 bis 3 Achtel Cumulus, Basis anfangs um 1300 Meter, spaeter auf bis zu 1800 Meter ansteigend. Am Nachmittag von Nordwesten her Durchzug von Altocumulus und dichteren Cirrusfeldern.
Thermik: Meist gute Wolkenthermik, nachmittags Abschirmung.
Tagesbericht
Sabrina Vogt (Aero Schwarzheide) kochte alle Jungs ab: Tagessieg!
"Manchmal lief's doch erstaunlich gut" war ihr lapidarer Kommentar beim Briefing am Sonntagmorgen. Eigentlich wollte sie sich ja dem Team aus Pirna anschließen. Aber man hatte sich schon am ersten Schenkel verloren.
So suche sie alleine den Einstieg in den Thüringer Wald ... aber immer "mit einem Rückzugsweg zum Rausgleiten", wie sie sagte. Ein taktischer Glücksgriff war dann ihre Entscheidung, zur zweiten Wende eine Route am Nordrand des Thüringer Waldes zu fliegen. Hier machte sie wertvolle Zeit gegenüber ihren Konkurrenten gut (auch Bärte mit mehr als 3 1/2 m/s waren im Angebot!). Der Weg zur 3. Wende lief dann weitgehendst unspektakulär, lediglich einen 4 m/s Bart bei Plessberg hatte sie sich notiert. Markant gestaltete sich dann der Heimweg, denn es musste doch ein deutlicher Umweg geflogen werden, um auf das abbauende Wetter richtig zu reagieren. Aber die SeeYou-Animantion in Relation mit Thomas Melde (AC Pirna) zeigte es, auch hier hatte sie ein glückliches Händchen und machte definitiv auf den letzten Kilometern den Sack zum Tagessieg zu - die männliche Konkurrenz staunte und zollte der Leistung großen Respekt!
Aber unter dem Strich, die Platzierungen passen - es sind alle diejenigen unter den TOP-Ten, die dort auch hingehören. Die Punktabstände sind absolut gering, nun geht es erst richtig los. Es wird spannenden Segelflugsport auf der Wasserkuppe geben ("hier wurde der Segelflug erfunden").
Die Aufgabe selbst war, im Nachhinein betrachtet, um 15 % zu groß. Die Ursache hierfür war, dass nicht die Durchschnittsgeschwindig-keiten erflogen wurden, die man auf Grund der ganz hervorragenden meteorologischen Prognosen erwartet hatte (... und schließlich wollte man nicht 1.000 Tagespunkte verpassen, nur weil der Sieger zu schnell flog!).
Knackpunkt des meteorologischen Tagesganges war eine kompakte Abschirmung, die man schon am Morgen weit im Westen erkannt hatte. Und bis gegen Mittag schien es auch, dass sie sich kaum bewegte. Aber dann kam doch Dynamik auf und die Abdeckung marschierte los. Nur gut, dass sie sehr löchrig war und damit eine einigermaßen vernünftige Einstrahlung erlaubte.
Mit Bravour hatte sich die Wasserkuppe und das Team von der Fliegerschule Wasserkuppe an diesem ersten Tag als Ort für klassische Segelflugwettbewerbe in dieser Größenordnung präsentiert. Es klappte einfach alles ... Startaufbau, Startbetrieb, Landung und Rücktransport zu den Hängern (wurde auch von der Schule erledigt!). Schaltstelle war wieder einmal mehr Schulleiter Harald Jörges, der souverän den Mischbetrieb auf der Wasserkuppe mit Modellflug, Gleitschrimfliegern, Schulgleiterstarts und natürlich dem Segelflug im Griff hatte.
(Reiner Rose)
Sonntag, 01.08.2010
Montag, 02.08.2010
Dienstag, 03.08.2010
Mittwoch, 04.08.2010
Schlagzeile: Im Osten und Suedosten von Hessen maessige Thermik, im Westen Abschirmung.
Wetterlage: Das Frontensystem eines Tiefs noerdlich von Schottland ist fuer den Westen Deutschlands wetterbestimmend. Am Vor-mittag zieht die wenig wetteraktive Warmfront ueber Rheinland-Pfalz, das Saarland und Hessen hinweg. Die von Westen nachfolgende Kaltfront kommt aufgrund von Wellenbildung nur langsam ostwaerts voran. Sie erreicht im Laufe des Nachmittages die westlichen und nordwestlichen Landesteile.
Wolken und Niederschlag: Es zeigt sich verbreitet dichte Altocumulus-Bewoelkung mit Untergrenzen bei 3000 Meter. Darueber ziehen Cirrusfelder hinweg. In den oestlichen und suedoestlichen Landesteilen kommt es zeitweise zu Auflockerungen. Im Laufe des Vormittages bildet sich ausserdem 2 bis 4 Achtel Cumulus mit Basis bei 1400 bis 1600 Meter. Am Vormittag fallen nur selten ein paar Regentropfen. Am Nachmittag beginnt es im Westen und Nordwesten vermehrt schauerartig zu regnen. Gegen Abend sind im aeussersten Westen eingelagerte Gewitter moeglich. Im Osten und Suedosten bilden sich am Nachmittag sehr vereinzelte Schauer, meist bleibt es dort noch niederschlagsfrei.
Thermik: In den oestlichen und suedoestlichen Landesteilen Hessens bildet sich maessige Thermik, die aber zeitweise durch abschirmende Wolkenfelder gemindert ist. Im Westen und Nordwesten ist die Thermik aufgrund der Abschirmung nur gering und meist nicht nutzbar.
Tagesbericht
Wie es eben oft so ist ... leider baute sich das Zwischenhoch in den Nachtstunden auf und die Frage war dann am Morgen, in wieweit es auch am Tag noch wirksam war, bevor die dann neue Störung aus Nordwesten kam.
Der Himmel jedenfalls war am Morgen im Osten 'hui' und im Westen 'pfui', sprich im Osten war es astrein blau und im Westen drohten die dunklen Wolken der herannahenden Störung.
Die Prognosen der Wetterinstitute waren sich auch einig, dass im Süden und Osten noch das Zwischenhoch wirkte, während von Westen her unaufhaltsam, die Störung näher kam.
Entsprechend der meteorologischen Situation war also Tagesaufgabe eine kleine Aufgabe nach Osten, das sollte Chancen haben.
Aber der Startbeginn zog sich sehr in die Länge. Zwar wurden gegen 13.30 Uhr eine Gruppe Schnupperer hochgezogen, aber sie meldeten wenig Hoffnungsvolles, sodass man mit dem regulären Startbeginn noch warten wollte (nach gut einer Stunde waren dann die Schnupperer alle wieder am Boden).
Aber nachdem die Wetteroptik immer besser und besser wurde begann man kurz vor 15.30 Uhr mit dem Schleppen und um kurz vor 17.00 Uhr war dann die Linie frei.
Es wurde dann ein sehr 'selektiver' Tag. Während eine Gruppe von 10 Flugzeugen ohne wirklich ernsthafte Probleme die Tagesaufgaben erfüllten, kamen eine ganze Reihe nicht einmal vom Platz weg. Die Krux an dem Tag war offensichtlich eine markant pulsierende Thermik und noch dazu eine gewissen Feuchte im Wolkenbereich, die verhinderte, dass die nicht mehr aktiven Wolken nicht sogleich abtrockneten und somit den Einen oder Anderen auf eine falsche Fährte lockten. Aus der Distanz sah so mache Wolke absolut prächtig aus, aber bis man eben hinkam hatte sie ihre Aktivität schon eingestellt bei fast unverändertem optischem Erscheinungsbild. Der Trick an dem Tag war also, möglichst frische, im Entstehen befindliche Wolken anzufliegen.
Am besten lösten diese Aufgabe die Gruppe mit den 10 Flugzeugen, die dann auch in kleinen Grüppchen um nahezu zur selben Zeit auf der Wasserkuppe eintrafen. Der Endanflug aber war natürlich eine spannende Sache. So berichtete Tagesssieger Uwe Augustin (AC Pirna) von einem Endanflug, den er in gut 30 km Entfernung mit - 50 m begann um sich dann aber zu verbessern um mit + 45 am Platz anzukommen.
Clever flog auch am zweiten Tag Sabrina Vogt (Aero Schwarzheide), die ihre Gesamtführung auf sage und schreiben 7 Punkte vor dem Zweitplatzierten Alexander Spaeth (AC Esslingen) 'ausbaute'. Durch seinen zweiten Tagesplatz hat Kai Glatter (AC Pirna) für seine Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft mächtig Boden gut gemacht und sich in der Gesamtwertung auf den einigermaßen sicheren Qualifikationsplatz fünf vorgeschoben. Einmal mehr unterstreicht dieses ranking die beeindruckende Teamarbeit der Pirnaer Gruppe. Und wie es aussieht, könnte sich das Ergebnis aus 2008 durchaus wiederholen, wo alle drei ersten Plätze von den sympathischen Piloten aus Pirna belegt wurden (1. Kai Glatter, 2. Thomas Melde, 3. Uwe Augustin).
Unter den Strich war der Tag eine absolute Maßarbeit: Der Schleppbetrieb konnte kaum früher aufgenommen werden, und am Abend wurde der Endanflug vom absolut letzten Bart des Tages gestartet.
(Reiner Rose)
Donnerstag, 05.08.2010
Freitag, 06.08.2010
Samstag, 07.08.2010
Schlagzeile: Maessige bis gute Wolkenthermik.
Wetterlage: Die mit suedwestlicher Richtung einfliessende warme und trockene Luftmasse liegt unter dem Einfluss eines Hochkeils des Azorenhochs. Im Laufe des Tages naehert sich das Frontensystem eines Tiefs ueber der noerdlichen Nordsee, es lenkt wolken-reiche Luft in den Westen des Vorhersagegebietes.
Wolken und Niederschlag: Anfangs nur 1-3 Achtel CI-Bewoelkung, in Osthessen noch SCT/BKN AC, der langsam ostwaerts abzieht. Nur sehr vereinzelt und vornehmlich im oestlichen Vorhersagebereich bildet sich Dunst, der sich nach Sonnenaufgang rasch wieder aufloest. Im Laufe des Vormittags bilden sich 1-3 Achtel CU in 1000-1200 Meter, die auf 1600-1800 Meter ansteigen. Es faellt kein Niederschlag. Nachmittags sorgt westlich des Rheins mittelhohe und hohe Aufzugbewoelkung mehr und mehr fuer Abdeckung. Es bleibt jedoch trocken.
Thermik: Maessig bis gut.
Tagesbericht
Endlich wölbte sich am Morgen wieder blauer Himmel über der Wasserkuppe - das war zumindest mal ein guter Tagesstart.
Meteorologisch gab es jedoch für diesen Tag zwei große Fragezeichen. Einmal, inwieweit lassen die Aktivitäten des Tiefs über Oberitalien nach, sodass sich dieses gewissermaßen nach Südosten zurückzieht. Und zum Zweiten, wie schnell kommt das Frontensystem des Tiefs über der Nordsee nach Osten bzw. Südosten voran. Markant jedenfalls war auf dem Sat-Bild ein einige hundert Kilometer breiter, fast wolkenloser Streifen zu erkennen, der sich in etwa in Nord-Süd Richtung erstreckte (und in dessen Mitte die Wasserkuppe lag).
Nachdem die Luftfahrtberatungszentrale Mitte des Deutschen Wetterdienstes auch mäßige bis gute Wolkenthermik prognostizierte, waren die Rahmenbedingungen für die Tagesaufgabe klar.
Die Entscheidung fiel, angesichts des letzten Tages und weil am Abend auch die Siegerehrung geplant war, zugunsten einer 'Geschwindigkeitsaufgabe mit festgelegten Wendegebieten' (SAA). Die leistungsschwächeren Piloten konnten dabei in den jeweiligen Areas früher wenden, um einigermaßen sicher nach Haus zu kommen. Die Mindestwertungszeit sollte jedoch drei Stunden sein, denn man wollte ja einen 1.000 Punkte Tag einfliegen.
Als gegen 12.30 Uhr (GZ) die Basis auf sichere 1.600 m NN angestiegen war, wurde mit dem Schleppen begonnen und um 13.40 Uhr (GZ) das Abflugtor für eine Stunde geöffnet. Dadurch sollten also spätestens um 18.00 Uhr alle Piloten wieder auf der Wasserkuppe gelandet sein.
Die dann von den Teilnehmern angetroffenen meteorologischen Bedingungen überraschten nicht. Westlich des Referenzmittelpunktes der ersten Area wurde es blau und die Steigwerte wurden weniger (hier steckte das Nordseetief seine Fühler aus). Und beim Referenzpunkt der zweiten Area waren Congestus mit den entsprechenden Ausbreitungen geboten (hier wirkte noch das Norditalien-Tief). Erwartungsgemäß (und Gott sei Dank!) lief es dazwischen einigermaßen vernünftig.
Am besten mit den Gegebenheiten kam der auf der Wasserkuppe beheimatete Chris Jörges (Rhönflug Gersfeld) klar. Er flog völlig alleine frisch drauf los und ließ alle hinter sich. Größere Probleme auf dem Flug gab es für ihn nicht, alles lief eben easy (wie das bei guten Flügen so ist). Man muss aber auch feststellen, dass die beiden im Team fliegenden Tageszweit- und Drittplatzierten (Alexander Spaeth und Benedikt Schmitt) Chris Jörges den Sieg auch dadurch leicht machten, weil sie um die fünf Minuten vor Ablauf der Mindestzeit schon im Ziel waren und so bestimmt gut 10 km bzw. die entsprechende Geschwindigkeit verschenkt hatten.
Ganz klar trumpfte also an diesem letzten Tag auch Alexander Spaeth (AC Esslingen) noch mal auf und es gelang ihm, mit seinem zweiten Tagesplatz Sabrina Vogt (Aero Schwarzheide) noch auf der Zielgeraden abzufangen.
Die ersten sechs der Gesamtwertung sollten sich für die Deutsche Segelflugmeisterschaft 2011 der Club-Klasse qualifiziert haben.
Resümee über die Gesamtveranstaltung
Unterm Strich war es ein großer Erfolg für den diesjährigen Rhön-Segelflugwettbewerb, dass man trotz der widrigen Wetterbedingungen zwei Tausendpunktetage und einen Tag mit rd. 500 Punkten erzielen konnte.
Das fliegerische Niveau war außerordentlich hoch, was man an den zum Teil sehr geringen Punktabständen sehr gut erkennen kann.
Die Wasserkuppe selbst ist als Austragungsort für klassische Segelflugwettbewerbe mit bis zu 40 Teilnehmern absolut 'erste Sahne'. Zum einen liegt das an der grandiosen Mittelgebirgslandschaft, aber zum anderen ist es das einzigartige Ambiente der Wasserkuppe selbst, welches man wohl kaum an einem anderen Ort (in der Segelflieger-Welt) finden kann. Natürlich spielt hier die Historie eine wesentliche Rolle ('der Ort, an dem das Segelfliegen erfunden wurde'), aber auch das Miteinander von Drachen-, Gleitschirm-, Modellfliegern und 'richtigen' Segelfliegern ist in diesem Arrangement wohl einmalig und immer wieder beeindruckend.
Nicht umsonst war der diesjährige Rhön-Segelflugwettbewerb einer der teilnehmerstärksten Qualifikationswettbewerbe für die Deutsche Segelflugmeisterschaft 2011.
(Reiner Rose)
















